Ich beschäftige mich nun schon eine längere Zeit mit dem Musikbusiness und habe viele Facetten kennen gelernt. Ich möchte mich in diesem Artikel den Problemen widmen die ich in den letzten 16 Monaten für mich selbst erkannt habe.
Alles was ich in diesem Artikel schreibe unterliegt meinem persönlichen Copyright und ich gebe keine Erlaubnis, dies anderswo ohne meine schriftliche Zustimmung zu publizieren. Ebenso übernehme ich keinerlei Garantie, was den Inhalt des Artikels angeht. Sie müssen dies selbst lesen und entscheiden, was Sie davon “mitnehmen” und was nicht.
Ich schreibe nur meine eigenen Erfahrungen nieder und möchte Sie daran teilhaben lassen. Da es ein recht ausführliches Thema ist, werde ich es in mehrere Teilartikel aufteilen.
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1. Brauche ich ein Label?
Die Antwort ist ganz klar: Ja. … oder doch nicht? Die Antwort ist ganz klar: Nein. … Eben hier ist das Problem.
Ich brauche ein Label, das
- Viel Wissen mitbringt
- Viele Kontakte hat
- Künstler aus meinem Genre beschäftigt
- Solvent ist (nicht mit “Reich” verwechseln)
- Zuverlässig ist
- Sich an seine Zusagen hält
- Ein Management hat bei dem ich mich gut aufgehoben fühle
- Eine gute Presseabteilung hat
- Einen funktionierenden Vertrieb hat
- Eine zumindest ansatzweise gute Bonität (<3.0) hat
- Meine Sprache spricht
- Mir zur Seite steht
- Mich berät
Das sind die MINDESTANFORDERUNGEN, die man an ein Label stellen sollte. Und glauben Sie mir, die sind nicht so abgehoben wie man das denkt!
Ich brauche kein Label, dass:
- Nur mich als Künstler betreut
- Nur Künstler betreut, die aus einem komplett anderen Umfeld stammen (bsp. HipHop(er) und dann einen Schlagersänger)
- Die keinen persönlichen Ansprechpartner für mich haben oder der ständig wechselt
- Die keine gute Bonität haben
- Die seit langem keine -auch nur ansatzweise erfolgreiche- VÖ mehr hatten
- Die viele Mitarbeiter in kurzer Zeit verlieren
- Die Künstlern sehr einseitige Verträge geben
Sie müssen schon von Anfang an darauf achten, dass es ein Geben und Nehmen von beiden Seiten sein wird und auch sein kann!
Es gibt viele Gründe dafür und wenige dagegen, sich an ein Label zu binden. Man sollte eine Pro und Contra Liste erstellen und sich daran auch orientieren. Darin sollten Fragen wie:
- Habe ich eigene Lieder
- Habe ich ein eigenes Studio bzw. Zugriff zu einem guten Studio
- Habe ich Musiker die mit mir an meiner Musik arbeiten
- Wie groß ist mein eigener finanzieller Rahmen
- Kenne ich Leute aus der Branche die mir Kontakte ermöglichen
- Habe ich Kontakte zu Rundfunk und Fernsehn
- Habe ich einen Label-Code oder kenne ich jemanden, der mir  den zur Verfügung stellt
- Habe ich einen Vertrieb, der meine Musik in den Handel bringen kann
- Habe ich Grafiker die mir helfen bei meinem ArtWork
- Habe ich Entwickler, die mir an meiner Internetseite helfen
- Habe ich Freunde, die mir helfen, Bekanntheit zu erlangen
- Habe ich Leute, die für mich Lieder schreiben
- Kann ich eines oder mehrere Instrumente (selbst) spielen
- Bin ich mobil
- Traue ich mir zu, Leuten etwas zu verkaufen
- Kann ich “Klinken” putzen
- Bin ich Rückschlägen gewachsen
- Kann ich direkte Kritik an meiner Person, meinem Vertriebsweg oder meiner Musik vertragen
- Weiß ich über Recht im Musikbiz bescheid
- Weiß ich, wie man Verträge liest
- Kann ich selbst Verträge aushandeln
- Kenne ich mich mit Buchhaltung aus
- Können Sie WIRKLICH Musizieren
- Können Sie WIRKLICH Singen (so Sie denn Ihre Stimme vermarkten möchten)
Es kommen sicherlich noch viele andere Fragen. Aber dies ist zunächst einmal ein Anfang. Sie sollte auf alle Fälle ehrlich zu sich sein, denn das Musikbiz hat weniger mit Ihrem Musikalischen Können also mit eben vielen anderen Punkten zu tun und daran wird auch Ihr Erfolg scheitern oder wachsen!!
Haben Sie alle Fragen beantwortet steht die Entscheidung eigentlich schon fest
Sie sind geeignet, es selbst in die Hand zu nehmen oder sie benötigen Hilfe - also ein Label. Sollte letzteres der Fall sein so sind auch hier etliche Punkte zu beachten die ich Ihnen WIRKLICH ans Herz legen möchte!
2. Sie sollten einen Manager haben.
Die sind gar nicht mal so teuer und bringen Ihnen einige wichtige Vorteile. Ein Musikmanager bringt ein gewissen Wissen mit und schützen Sie vor Fehlern, die Sie wirklich schnell bereuen könnten. Im MusikBiz kann ein kleiner Fehler Ihre evtl. Karriere schnell beenden oder wirklich wesentlich entscheiden (auch hierzu werde ich später noch etwas sagen). Sollten Sie einen Plattenvertrag unterschreiben, wird man Ihnen schnell einen Manager zur Seite stellen wollen. Alleine schon dies finde ich den blanken Hohn! Ein Manager muss sich ausschließlich um die Belange eines Künstlers - also um SIE! - kümmern, ist er Ihnen aber vom Label zur Seite gestellt worden, wird er wohl diese Belange nur dahingehend wahrnehmen, solange sie nicht kollidieren mit den Interessen des Labels. Auch wird er Ihnen keine große Hilfe sein, wenn es zu einem echten Rechtsstreit oder zu ernsthaften Streitigkeiten mit dem Label kommt. Er wird zwangsweise nach der Devise handeln müssen: “Beisse nicht in die Hand, die Dich füttert”. Außerdem wird er nach Ihnen noch andere Künstler innerhalb des Labels betreuen und dort auch ohne Sie weiterhin sein Geld verdienen.
Ihr Manager wird viele Stunden und Tage mit Ihnen verbringen, er wird mit Ihnen auf Tour gehen und Sie in vielen Dingen beraten. Sie werden zwangsweise eine Art “Zweckfreundschaft” aufbauen. Dies ist auch gut so, denn nur so kann man sich wirklich vertrauen. A B E R !! Und hier liegt auch das Problem! Dies kann ebenso zu Konfrontationen führen, daher seien Sie unbedingt darauf bedacht, einen Vertrag abzuschließen, auch wenn ein (schon)Freund Ihr Manager werden sollte. Legen Sie die Rahmenbedingungen schon früh (am besten gleich von Anfang an) fest.
- Die Beteiligung des Managers liegt zwischen 15 % bis 30% an Ihren Einnahmen
- Der Manager sollte einen 2 Jahresvertrag erhalten den Sie alleine verlängern können, nicht Ihr Manager! (zwei Jahre machen schon Sinn, da er Sie und Ihre Karriere erst einmal aufbauen muss)
- Geben Sie dem Manager einige Freiheiten was Vertragsangelegenheiten angeht, aber lassen Sie sich die Sachen VORHER doch zeigen.
- Beziehen Sie Ihren Manager in Geschäftsgespräche ein, sonst schwächen Sie Ihn und machen Ihn bei Ihren zukünftigen Partnern eher zu einer “Witzfigur” und er wird nicht so ernst genommen
- Beziehen Sie den Manager in Ihren Ideen / Gedanken ein. Je tiefer er in der Thematik drin ist, desto eher wird er Sie auch in Ihrem Denken und Handeln verstehen.
Es gibt viele Leute, die sich “Manager” nennen, aber auch hier gilt wohl leider die 80/20 Regelung
Also Augen auf beim Suchen!
Man muss sich natürlich nun die Frage stellen: “Und wie finde ich nun einen Manager? Stehen die im Telefonbuch?”. So schwer ist das eigentlich gar nicht. Es gibt so einige Möglichkeiten dazu:
- Man kann auf Festivals gehen und mit den Bands direkt sprechen (so sie denn nicht schon “unnahbar” sind)
- Mann kann mit einem Veranstalter sprechen und danach fragen
- Mann kann sich mit Bookingagenturen in Verbindung setzen und dort nachfragen
- Mann kann sich in großen Musikhäusern (Session Walldorf…) umhören
- Mann kan auf die Internetseiten der einzelnen Künstler gehen und auf deren Homepage nach diesen Informationen suchen
- Oder man gibt z.B “Künstlername” und Manager als Suchworte bei Google ein. Für Nena wäre das “Nena Manager” aber ohne die “”.
3. Sie sollten soviel Spielen wir nur möglich
Es ist UNABDINGBAR, dass Sie Spielen - Spielen - Spielen! Nur wenn man Sie kennt, wird man auch Interesse an Ihnen zeigen und bekommen. Es wird keiner bei Ihnen an der Tür klingeln und nach einer CD fragen!
- Spielen Sie bei OpenAirs
- Spielen Sie in Clubs
- Bieten Sie sich als “Vorgruppe” an
- Spielen Sie auf Stadtfesten
- Spielen Sie bei Firmenveranstaltungen
- Spielen Sie bei Dorffesten
Wichtig ist, dass Sie sich um Ihre Gage Gedanken machen. Von 100 Euro - 1 Million ist alles drin, Sie haben einen wesentlichen Anteil daran, wie Ihr Marktwert sich entwickelt. Je öfter Sie spielen, desto mehr Menschen nehmen Notiz von Ihnen. Je größer das Interesse an Ihnen, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass Sie gebucht werden. Je öfter Sie gebucht werden, desto Interessanter werden Sie. Je Interessanter Sie sind, desto mehr Gage können Sie nehmen.
Sind Sie mehr auf Coverband Sachen aus, liegt die Gage (bei gutem Bekanntheitsgrad) so bei 2000 Euro / Auftritt. Wollen Sie als Solokünstler loslegen und haben schon erste Erfolge vorzuweisen, wird die Gage zwischen 500 und 3000 Euro liegen. Haben Sie eine Band, die den ein oder anderen bekannten Künstler beinhaltet, so kann man auch eine gute Gage verlangen.
Sie können mit einer Sache Ihren Marktwert aber auch positiv beeinflussen. Nehmen Sie ein Album auf! Haben Sie genügend Lieder zusammen, nehmen Sie ein Album auf, oder drängen Sie Ihr Label, dies zu tun. So können Sie Verkäufe direkt vor Ort tätigen (wo man die Emotionen noch warm hat
) und Sie können mit Glück auch mal OnAir gespielt werden.
In Kürze geht es weiter!…….


