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Warum du nicht sofort einen „Chief of“ brauchst – StartUp Job Titles

Deine Idee ist geboren, du hast die Familie, den Freundes- und den Bekanntenkreis abgeklappert, das Team ist im Kopf schon gebildet und jetzt kann es los gehen. Ihr seid ein StartUp, hier dürfen noch Fehler gemacht werden, hier ist jeder Boss, hier ist jeder ein „Chief of“…. Dein CTO (Chefentwickler), dein CFO (Finanzchef), COO (Chefoperator)… alle sind da, alle legen los. Im Grunde ist das alles schon sehr cool, denn ihr seid einfach ein richtiges Team, hoch motiviert, zielstrebig und mit so viel Liebe zum Projekt.

Nach und nach seid ihr am Wachsen, das Team, das Projekt, die Kunden… Ihr rekrutiert weitere Mitarbeiter und es wird alles schon so richtig cool. Überall bilden sich eigene Teams und deine Hauptaufgabe wird es mehr und mehr, dein Unternehmen nach außen zu präsentieren und nach innen der Kopf von allem zu werden. Doch genau da beginnt eine sehr kritische (zwischenmenschliche) Phase, du hast Verantwortung, jedem einzelnen Mitarbeiter deinem Investor, deinem Freund, der Familie und den angeheuerten Bekannten gegenüber. Leider hast du womöglich (wie viele andere vor dir auch) einen kleinen aber entscheidenden Fehler gemacht.

Dein Freund (nennen wir ihn Pete), kannte sich damals gut mit der Programmierung von Webseiten aus, er hatte es immer drauf und so war es logisch, dass er von Anfang an dabei ist und den Part der Programmierung übernimmt. Er brauchte einen Helfer und ihr habt auch relativ zeitnah mit der Gründung einen Juniorentwickler eingestellt, Pete war (was ja klar ist!), der Boss, der CTO. Nach und nach kamen 8 weitere Entwickler hinzu und schwupps bestand das Team aus 10 Leuten. Pete hat nun keine Zeit mehr, wirklich zu entwickeln, er muss das Team koordinieren, er muss die Schnittstelle sein. Parallel dazu hast du eine komplette Abteilung für das CI aufgebaut und drei brillante Interfacedesigner, Webdesigner und Grafiker eingestellt. Diese sollen Pete jetzt zuarbeiten und warten auf Anweisungen von ihm, doch Pete ist kein Teamleader, er ist Programmierer, er liebt das UND er muss schon so viel mit dem eigenen Team handhaben, dass ihm die Zeit dazu fehlt.

Du hast nun mehrere Optionen:

  1. Du schulst bzw. lässt Pete schulen und schickst ihn auf Weiterbildungen.
  2. Du gibst Pete einen Assistenten zur Hand, der seine Aufgaben im Bereich Teamleitung übernimmt.
  3. Du holst dir einen Teamleiter, der sowohl die Entwickler als auch das Creative Team steuert.
  4. Du lässt alles laufen wie es ist, in der Hoffnung, es regelt sich irgendwie schon von alleine.
  5. Du übernimmst den Part selbst.

So oder so, es wird eine nicht so einfache Entscheidung und es bleibt das Problem, dass du Leute „nachziehen“ wirst, die Pete in einigen, vielleicht vielen oder gar allen Belangen voraus sein werden.

Es gibt aber einen etwas einfacheren und ehrlicheren Weg, den du von Anfang an offen kommunizieren kannst, du kannst Pete, dass sein lassen, was er ist, ein guter Entwickler und ihm zeigen, wie sehr du seine Arbeit schätzt und wie wichtig diese für das Projekt und das Unternehmen ist UND du kannst offen kommunizieren, dass du selbst nicht weißt, wo die Reise hingeht für dein „Baby“ und du daher (noch) keine Titel vergeben wirst. Die Zeit wird zeigen, wie die Menschen in deinem Unternehmen sich positionieren (können).

Warum solltest du das so tun?

Es ist so einfach, jemandem einen Titel zu verleihen und/oder ihn zu befördern. Es ist jedoch ungleich schwerer, ihm diesen Titel zu nehmen oder gar zu degradieren. Auch wenn es einen offensichtlichen und plausiblen Grund dafür geben wird, es geht hier um Menschen, die in deinem Unternehmen vielleicht seit der ersten Stunde dabei waren und es wird um Emotionen gehen. Berücksichtige das immer! Einen Vorgesetzten zu bekommen bedeutet nicht, dass man weniger Wert ist, in einigen Fällen ist dies eine echte Erleichterung, dein Mitarbeiter kann sich dadurch voll auf seine Stärken konzentrieren und ihm ist der mögliche Druck genommen. So hat auch jede augenscheinlich negative Seite eine sehr positive Seite.

Wie aber alles im Leben, DU musst die Entscheidung treffen und es ist an DIR, was du aus meinem Worten mitnehmen möchtest. Nichts ist 1:1 transportierbar auf deine Situation, nimm mit was du möchtest und den Rest… vergiss diesen und bleibe frei in deinem Denken und Handeln. Ich zeige dir hier nur auf wie ich den besten Weg für mich gefunden habe bei alugha und ich kann es jedem nur empfehlen. Hierdurch kannst du auch immer wieder mal „Inventur“ machen und schauen, ob das Team noch so die Konstellation bietet, die für das Team selbst und dein Produkt gut und richtig ist. Du magst vielleicht denken, dass es unfair ist darüber nachzudenken, die einzelnen Positionen zu überdenken und so zu handeln. Die Realität sieht jedoch anders aus, du sitzt da „oben“ und hast Verantwortung, jedem Einzelnen und dem Team im Gesamten gegenüber. Man erwartet von dir, dass du sehr wohl darüber nachdenkst wie es weiter geht und man vertraut dir. Für die Menschen in deinem Unternehmen ist es wichtig, dass du das tust. Sei nicht eingeschüchtert, stelle dich dieser Verantwortung und lasse sie (innerlich) zu.

Ich drücke dir die Daumen bei dem, was du tust! Lass dich nicht einschüchtern, gehe deinen Weg und glaube an das, was du tust! Wie sagt schon Rolf Stahlhofen in seinem Song? Träume dein Leben wie du es willst, du führst Regie!

Veröffentlicht in Deutsch Englisch Gedanken / Minds

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