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Was der FC Bayern München mit deinem StartUp zu tun…

Was der FC Bayern München mit deinem StartUp zu tun…

…haben sollte oder dein Lieblings-Sportverein …oder deine Lieblingssportart. Vor kurzem habe ich einen ausführlichen Workshop auf der StartUpCon in Köln halten dürfen und mein Thema war:

“HÜRDEN UND CHANCEN BEI DER GRÜNDUNG”

Im Großen und Ganzen ging es in dem Vortrag um diverse Unterpunkte auf die ich eingegangen bin aber heute möchte ich euch eher auf das im Titel schon benannte Thema „einschwören“. Der FC Bayern München ist ein Sportverein, ein Verein, eine Vereinigung von Menschen, einer Mannschaft. Diese Mannschaft ist aber nicht nur das, was auf dem Platz steht, es sind nicht nur diese Fußballer, die ihr ständig seht… Da steht viel mehr dahinter, Trainer, Physioabteilung, Ärzte, Marketing, Vertrieb, Manager, Direktoren, Juristen, Scouts und ich könnte diese Liste noch um einiges weiter ausbauen. Ein ganzes Team beschäftigt sich ausschließlich damit, dass die Jungs auf dem Platz alles geben (können) und eben diese Jungs sind es dann, die alles geben um einen Sieg einzufahren.

Wie aber kommt es denn dazu? Warum steht der FCB da, wo er steht? Wenn ich so ein Spiel sehe, dann weiß ich warum das so ist. Fangen wir mit dem Spiel selbst an, hierzu habe ich einen Spielzug für euch:

Fussballfeld_StartUpCon

Die Ausgangssituation sind 22 Spieler, davon 2 Torhüter und 20 Feldspieler. Diese teilen sich auf dem Spielfeld – je nach Taktik des Trainers – über das gesamte Feld auf. Oft gibt es ein 3-4-3 oder ein 4-4-3 oder ein 4-3-4… und andere Spielmodelle. Also 3 Spieler sind in der Abwehr, 4 kümmern sich ums Mittelfeld und 3 weitere vorne versuchen dann, den Ball ins Tor des Gegners zu befördern. Beim FCB ist Jérôme Boateng einer der Abwehrspieler, der in der Regel von der rechten Seite aus agiert. Er hat den Ball und schaut von da aus schon wie sich seine Mitspieler bewegen, er hat den kompletten Überblick über den Gegner, den Mitspieler, die Entfernungen und viele weitere Faktoren. Wie ein Adler nimmt er seine „Arena“ ins Visier, täuscht seinen Gegenspieler und hat schon lange entdeckt, dass sich eine echte Formation gebildet hat. Nur er und seine Mitstreiter können diese erkennen, sie sind absolut aufeinander eingespielt, sie sind ein Team! Er läuft an und gibt den Ball zur linken Seite rüber zu David Alaba.

David Alaba ist einer der besten Linksaußen der Welt und mehrfacher Österreichischer Fußballer des Jahres, er ist ebenso wie sein Vormann Jérôme von dem Talent gesegnet ein Spiel sehr gut lesen zu können und hat dazu noch ein sehr schönes Gespür für den Ball. Er kann sehen, dass sich im Mittelfeld Alcantara Thiago schon sehr schön freigelaufen hat und bereit wäre, den Schuss von ihm direkt weiterzuleiten und so macht er das einzig Richtige: Er legt sich den Ball im Lauf auf den Fuß und zieht ab. Sein Plan geht auf und Thiago rennt mit dem Ball los, seine Augen sind nur auf eines gerichtet, auf das Feld vor ihm. Aber weit gefehlt, wer denkt, er hätte einen Tunnelblick! Nein, Thiago hat schon vor seiner Ballannahme erkannt, dass Douglas Costa schon lange den richtigen Platz eingenommen hat und nach 10 Metern fliegt der Ball durch die Luft. Endlos lange Sekunden mag man denken und gute 40 Meter weit. Der Ball kommt, wie von fremder Hand aus der Ferne gesteuert, direkt vor Costas Füße, ein Traum. Die Gegenspieler haben das erkannt und versuchen sich vor Costa aufzubauen, um ihm den direkten Zug zum Tor zu verwehren.

Costa denkt: Na klar, das ist der Plan, kommt alle her zu mir, denn ICH bin sehr torgefährlich und mein Drang zum gegnerischen Tor ist wie ein Vulkan. Wie eine Katze im Schutze der Dunkelheit hat Robert Lewandowksi jedoch schon – gemeinsam mit Thiago – den Pass von David Alaba auf dem Schirm gehabt und er wusste, dass Thiago nicht zu ihm, sondern zu Costa weiterleiten würde und so konnte er diese Chance dazu nutzen sich für einen Spurt vor das gegnerische Tor zu „schleichen“. Robert weiß genau was er will und er ist darauf aus, die Vision zu ende zu denken, sie zu realisieren. Er rennt so schnell und kommt mit soviel Energie auf den Torhüter zu und trotzdem ist seine Ballannahme außergewöhnlich. Zwei, Drei und Vier Schritte und da ist er nun, der Ausnahmestürmer. Er ist ein Krieger und er will seine Beute, sein Tor. Der Ball liegt genau perfekt, die Windrichtung stimmt, die Nässe des Rasens ist perfekt, jetzt zählt es, auf den Punkt. Mit voller Wucht und trotzdem einer Präzision, die ihresgleichen sucht, trifft er den Ball. Dieser fliegt, flach und sehr nah am Boden, Richtung Tor, der Torhüter ist machtlos, das war es. Er hat die Beute unnnnnddd TOOOOOOOOORRRRRRRR! Der Schlusspfiff ertönt und das Spiel ist aus. Die Münchner haben das Spiel für sich entschieden und gehen als Sieger vom Platz.

Hier entstehen nun mehrere Fragen für mich. Fangen wir damit einmal an:

Was ist hier passiert?
Ein TEAM, welches wirklich perfekt aufeinander abgestimmt ist, hat durch sehr schnelles Umschalten, Analysieren der Situation, der Möglichkeiten und Chancen, erkannt, was machbar ist, hat sich vertraut und das Optimum aus allem herausgeholt. Sie hatten eine Vision, waren zielstrebig und haben die Chance erkannt und genutzt. Sie vertrauen auf das Können des jeweils Anderen und sie wissen, wann sie ihre Stärken einbringen müssen. Ebenso haben sie aber auch erkannt, wo sie ihre Schwächen haben und sich zurücknehmen müssen.

Wie haben sie das geschafft?
Zunächst einmal muss man festhalten, dass ein Sieg in den letzten Minuten in einem Spiel, in dem es um wirklich viel geht, einiges an physischer und mentaler Kraft und Stärke voraussetzt. Bei schwachen Mannschaften erkennt man schon während des Spiels, wie es hektisch wird, wie der Einzelne – nach und nach – nicht mehr an einen Sieg glaubt – der mentale unbändige Wille, es bis zum Ende zu versuchen, schwindet. Für einen Verein und eine Mannschaft wie die des FC Bayern München, ist das Spiel genau dann verloren, wenn der Schlusspfiff erklungen ist. Diese mentale Stärke kommt aus mehreren Gründen zustande. Da ist zunächst der einzelne Spieler, der eben genau diese Eigenschaft sein Leben lang schon in sich trägt (Arjen Robben zum Beispiel) und da ist der Spieler, der weiß, dass er gewinnen möchte, aber eben das Gen nicht so ausgeprägt hat. Dieser Spieler wird dann von Arjen Robben förmlich angesteckt, der Funke springt über. Genau das ist wieder die Aufgabe des Vereins, solche Individuen in einer guten Balance zusammen zu stellen und daraus das Team auf dem Rasen zu formen. Früher gab es da den Stefan Effenberg oder einen Mark van Bommel, sie waren die Antreiber, die Alphatiere. Auch hier hat der Verein seinen wesentlichen Anteil gehabt, denn solche Spieler wurden bewusst ausgewählt. Lief es mal nicht so gut, waren die Beiden jederzeit zur Stelle um den Stachel zu platzieren und den Spielfluss des Gegners zu unterbinden, sie haben Verantwortung für das Team und die Leitung übernommen. Sie haben die vermeintlich „schwächeren“ (und das hier auf einem SEHR hohen Niveau) mitgetragen.

Wie kam es dazu?
So etwas ist ein langwieriger Prozess, ein Team muss wachsen, langsam aber stetig. Es ist gar nicht so einfach, den richtigen Spieler an die richtige Position zu platzieren und überhaupt erst einmal zu finden. Beim FCB wirst du aber schnell merken, dass man hier sehr akribisch vorgeht, man hat Scouts, die beobachten, schauen Spiele auf der ganzen Welt an, sie kennen die Stärken des jeweiligen Mitspielers, auf den es ankommt auf dem Platz, und der Qualität der Mannschaft im Gesamten. Ein David Alaba lebt sehr von der Spielweise von Franck Ribery! Für den Erfolg der Mannschaft auf dem Platz steht und fällt alles mit der Qualität der Mitspieler. Für den zukünftigen Erfolg des Vereins ist es von ganz großer Tragweite, welche Spieler man einem Trainer bereitstellt, wie man das Umfeld für die Spieler aufbaut, wie man seine Fans mit einbezieht. Beim FC Bayern München kam es aus der zweiten Liga durch sehr viel Arbeit über 1-2 Dekaden dazu, man hat sich immer wieder aufs Neue verstärkt und ist gewachsen. Genau das haben Leute wie Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge genau richtig gemacht.

Was hier auch sehr spannend ist, man hat nicht einfach ein erstes Team, das man blind aufbaut. Das Management fängt schon viel früher an, in der Jugend, in der Amateurliga, in der zweiten Mannschaft, im Ersatzkader… man arbeitet sich durch den gesamten Verein und platziert überall die richtigen Personen.

Was bedeutet hier „Team“?
Im Fall vom FC Bayern München bedeutet das Team nicht nur die Spieler (das ist im Übrigen überall so!) Es fängt ganz unten an und zieht sich komplett nach oben durch. Es ist sehr wichtig, dass du erkennst, dass jeder im Team nicht minder wichtig für den Erfolg ist. Du brauchst keine unwichtigen Leute und jeder trägt (s)einen Teil zum Gesamterfolg bei. Der Greenkeeper macht „nur“ den Rasen, nur? Je besser der Rasen, je besser lässt sich drauf spielen, je geringer die Verletzungschancen. Der Busfahrer sorgt dafür, dass alle Spieler entspannt von A nach B kommen, der Co-Trainer sorgt dafür, dass die Visionen des Trainers perfekt umgesetzt werden, von allen Spielern. Die Balljungen stellen sicher, dass der Ball sehr schnell wieder im Spiel ist und es weitergehen kann, der Spielfluss nur unbedeutend unterbrochen wird, der Fanbeauftragte macht die Fans happy, die Fans feuern das Team im Kampf an…. So führt sich das durch jede einzelne Person.

Was bist DU?
Du kannst nicht alles sein und das ist auch nicht schlimm, sei dir dessen wirklich bewusst. Jeder hat seine Stärken wo anders, wenn du die deinen erkennst und dazu stehst, kannst du sie entfalten und ausbauen. Wenn du sie anbietest und offen kommunizierst, kannst du in einem Team – in der richtigen Position – eine unglaubliche Bereicherung sein. Beim FCB ist Phillip Lahm, er ist einer der besten Spieler der Welt und sicherlich auch einer der Besten, die je bei den Bayern gespielt haben. Er liefert enorm konstante Leistungen ab und ist immer zur Stelle. Er hat in 333 Bundesliga Spielen 12 Tore geschossen, als Nationalspieler in 113 Länderspielen 5 Tore…. merkst du was? So „wenig“ Tore? Er ist doch so gut? Er ist doch einer der besten Spieler der Welt? Wie kann das sein?… Er ist ein Macher, er kann das Spiel und die Mannschaft lesen, er kann sich und den Ball perfekt positionieren um ihn dann an den richtigen Spieler abzugeben.

Und was bist du? Bist du Lahm? Bist du Lewandowski, bist du Boateng? Die Jungs wissen genau wo sie ihre Stärken haben und genau DA sind sie vom Trainer positioniert. Ja, vielleicht bist du auch der Trainer, dann bau dir deine Mannschaft auf!

Und wozu das in deinem StartUp?
Wenn du der Manager (um bei der Fußball Metapher zu bleiben) deines Vereins bist, dann mache genau DAS zu DEINER absoluten Priorität, du bist nicht der Torhüter, der Greenkeeper, der Busfahrer, der Stürmer oder der Balljunge, du bist nicht Lahm, Boateng, Alaba oder Ribery. Du bist der Manager, du sorgst dafür, dass genau diese hochtalentierten Menschen an den richtigen Positionen da sind um sich voll entfalten zu können. Erkenne die Schwächen und Stärken, bevor und während du die Leute rekrutierst und sie auch für dich tätig sind. Manchmal musst du das Training mit dem Trainer neu ausrichten oder die Mannschaft umbauen und verstärken. Du musst dir aber zu 100% bewusst sein, dass dies deine ständige Aufgabe ist und dich darauf konzentrieren. Je eher du deine Mannschaft richtig aufbaust und die „Mitspieler“ positionierst, desto eher werdet ihr auch wachsen.

Du fängst als Regionalliga-Verein an und dein Ziel ist die Champions-League! Je weiter du nach oben kommst, desto besser und attraktiver wird der Markt an „Spielern“ für dich. Die richtig guten wollen bei und mit den richtig guten spielen. Ein Ribery wird nicht in der Bezirksliga spielen und ein Regionalligaspieler wird es nicht schaffen, sich in der Champions League zu behaupten. Ihm fehlen die Skills und viele andere Eigenschaften (die er sich in vielen Fällen natürlich noch erarbeiten kann). Nur die besten Spieler – selbst innerhalb aller Stufen des FC Bayern München – schaffen es überhaupt ins Training der ersten Mannschaft und auch dort angekommen ist das noch lange kein Garant dafür, dass sie jemals in der Spielzeit auf dem Platz stehen werden. Das mag hart klingen aber es ist DEIN StartUp und DU hast die Verantwortung für alle Spieler, für das gesamte Team und das Team baut darauf, dass du dir dessen wirklich bewusst bist.

Aber Achtung! Das soll auf gar keinen Fall bedeuten, dass du den „Schwächelnden“ einfach degradierst oder rauswirfst! Du hast die Verantwortung, schon beim Scouting und Recruiting wohl zu überlegen, wen du dir ins Team holst. Hilf demjenigen, sich zu entfalten, finde seine wahren Stärken und gib ihm die Secretpower dazu. Schwächelt er, schaue wie du helfen kannst, sensibilisiere dein Team. Nur gemeinsam könnt ihr es ganz nach oben schaffen. Und noch eines, was dem ein wenig widersprechen mag, was ich dir sagte: Klar kann kein Regionalligaspieler mit den Jungs in der Champions League mithalten, aber es ist oft eine Frage der Erfahrung und des Trainings. Schau dir Thomas Müller an, er kam aus der Jugend, wurde nach und nach aufgebaut und ist heute einer der besten Spieler der Welt. Solche Leute sind unbezahlbar! Hol dir Werkstudenten, Praktikanten… Mit deinem Team gemeinsam, bau sie auf, stärke sie und damit auch dein Unternehmen. Wenn du nachhaltig arbeitest wird sich das für dich auszahlen.

Und vergiss nie: Es ist DEIN StartUp, dein Baby! Mach was daraus. Mach aus deinem StartUp vielleicht das nächste Google. Mit dem richtigen Team ist vieles möglich.

Und wie immer 🙂 Das sind meine eigenen Erfahrungen und Ansichten. Nimm mit, was für DICH gut ist und den Rest? Vergiss es 🙂

Wo ich mich so austoben darf? Na auf alugha, dem Portal für multilinguale Onlinevideos. Dort darf ich als CEO/CVO alle meine Ideen ausleben und mein Team ständig ausbauen.

Veröffentlicht in Deutsch Englisch Gedanken / Minds

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